Innovation braucht Offenheit

Von David Nägeli

Liechtenstein besitzt einen kleinen inländischen Markt und begrenzte Ressourcen - trotzdem bringt das Fürstentum innovative und weltweit erfolgreiche Unternehmen hervor. Zorica Zagorac-Uremovic erläutert, wie man Innovation im Lande fördern kann.

Zorica Zagorac-Uremovic ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Technologie und Entrepreneurship der Universität Liechtenstein. (Bild: zVg)

Was bedeutet Innovation für Sie?

Zorica Zagorac-Uremovic: Innovation ist das Ergebnis von erfolgreichen Denk- und Handlungsprozessen, um aktuelle oder zukünftige Probleme zu lösen. Das sind kreative, menschliche Prozesse, die bestehendes Wissen mit neuem Wissen oder auch neuen Sichtweisen kombinieren. Das kann eine neuartige Verknüpfung von Ressourcen, Technologien, Kunden- oder Nutzerbedürfnissen sein oder auch ein neue Art Wert zu schaffen, wie bei der Geschäftsmodellinnovation. Im Gegensatz zu originellen Ideen oder Erfindungen bedingt Innovation die erfolgreiche Umsetzung oder Einführung dieser Ideen oder Erfindungen voraus.

Welche Innovationstreiber sind typisch für Liechtenstein?

Liechtenstein verfügt zum einen über einen sehr kleinen inländischen Markt. Zum anderen bietet das Umfeld nur begrenzte natürliche Ressourcen zum Wirtschaften. Liechtensteiner Unternehmer haben es verstanden trotz dieser Ausgangslage internationale Marktchancen zu erkennen und zu nutzen, in dem sie auf Qualität und technologische Überlegenheit ihrer Leistung gegenüber dem internationalen Wettbewerb setzen.  Typisch für Liechtensteins Unternehmen ist zudem die Entwicklung von Produkten für Nischenmärkte. Das sind  Teilmärkte mit spezifischen Bedürfnissen, die bis dahin nur ungenügend von Wettbewerbern bedient wurden.

Welche Werkzeuge oder Vorgehensweisen können zukünftig die Innovation fördern?

Es gibt mehrere Trends und moderne Innovationsmodelle, die Innovationsfähigkeit ankurbeln oder den Innovationserfolg positiv beeinflussen können. Es lohnt sich, in Zukunft vermehrt innovative Geschäftsmodelle, im Gegensatz zu blossen Produktinnovationen, zu entwickeln. Beispiele finden sich häufig in digitalen Geschäftsmodellen, welche die meisten, wenn nicht alle Branchen stark verändern Geschäftsmodellinnovationen resultieren aber auch aus anderen, strategischen Überlegungen, zum Beispiel in der Veränderung der Ertragslogik, des Serviceangebots oder von Marktsegmenten.

Ein wichtiger Innovationstreiber ist die sogenannte Technologiekonvergenz. Viele Produkte sind nicht einer einzelnen Branche zuordenbar, wie das Smartphone. Um diese neue Art von Gerät zu entwickeln, bedarf es der Wissensannährung aus unterschiedlichen Bereichen und Branchen.  In der Regel sind hierfür offene Innovationsmodelle wie Kooperationen  oder Plattformkonzepte erforderlich.

Ein weiterer Trend ist die Menschen-oder Nutzer-zentrierte Innovation. Ein bekanntes Rahmenwerk oder Modell ist das Design Thinking. Im Kern geht es darum, sich in den Anwender von Produkten und Dienstleistungen hineinzuversetzen. Durch multidisziplinäre Teams werden Produkte neu erfunden, das heisst die Ausgangsstellung ist nicht ein bestehendes Produkt, das verbessert wird, sondern der Nutzer, dessen eigentliches Problem oder Bedürfnis gelöst wird.

Gibt es spezifische Innovationsmodelle für Liechtensteinische Unternehmen?

Liechtenstein ist ein Teil der globalen Wirtschaft, und kein Liechtensteinisches Unternehmen ist gleich. Daher glaube ich nicht an ein Liechtenstein-spezifisches Innovationsmodell, sondern an unternehmensspezifische Ansätze. Grundsätzlich kann ich jedem Unternehmen empfehlen, sich mit der Geschäftsmodellinnovation zu befassen, zu überlegen, wie das eigene Geschäftsmodell funktioniert und worin neue Chancen erkannt werden können. Der Trend zur offenen Innovation hält bereits Einzug in Form von verschiedenen Formen der Zusammenarbeit. Das ist wichtig und soll weiter ausgebaut werden, die Möglichkeiten sind grenzenlos.

Ausserdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass gerade grosse Unternehmen immer noch auf sehr strukturierte Produktentwicklungsprozesse setzen. Diese Prozessmodelle können gut kontrolliert werden,  lassen aber relativ wenig Raum für Kreativität. Ein Mindset für Innovation ist essentiell, und meiner Meinung nach wichtiger als bestimmte Modelle oder Prozesse. Neben fachlichen und persönlichen Fähigkeiten sind dafür Neugier und die Lust, etwas zu verändern und zu riskieren, ausschlaggebend. Rigide Strukturen sind sicherlich nicht förderlich, diese Lust zu wecken.

Zur Person:

Zorica Zagorac-Uremovic ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Technologie und Entrepreneurship der Universität Liechtenstein.


 








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