Mobilität bringt Innovation

Von Katja Fenkart

Das internationale Projekt „Society in Motion“ unter der Federführung der Universität Liechtenstein setzt sich mit der Herausforderung der zunehmenden Mobilität auseinander. Forschende machen sich dabei auf die Suche nach Alternativen für Architektur und Raumplanung.

Bild: Autobahn bei Nacht (real-napster/pixabay/Creative Commons)

„Eine Stadt ist dann lebenswert, wenn sie das menschliche Mass respektiert.“ Der renommierte dänische Architekt und Stadtplaner Jan Gehl trifft mit seiner Aussage den Nerv unserer Zeit. Unsere Gesellschaft ist schnelllebig und baut auf Flexibilität, Räume müssen wandelbar sein, Begegnungsorte sind ebenso wichtig wie Rückzugsorte. Das alles stellt eine Herausforderung für den städtischen Raum und die Architektur dar. Das Projekt „Society in Motion“, das unter Federführung des Instituts für Architektur und Raumplanung der Universität Liechtenstein umgesetzt wird, will diese Herausforderungen als Chancen wahrnehmen und sich auf die Suche nach neuen Denkanstössen und Alternativen machen.

Dialog im Zentrum

Das geförderte Erasmus Plus-Projekt setzt auf Kooperation und Austausch auf lokaler, regionaler und europäischer Ebene. Am Dialog nehmen neben Experten sowohl Forschende, Lehrende als auch Studierende teil. Gemeinsam mit Partneruniversitäten in Norwegen (Bergen Architecture School) und Österreich (Universität für angewandte Kunst Wien) werden die regionalen Entwicklungen und Dynamiken untersucht, die mit der zunehmenden Mobilität unserer Gesellschaft in Verbindung stehen. Die Projektverantwortlichen Cornelia Faisst und Clarissa Rhomberg haben sich beide bereits aus unterschiedlichen Perspektiven mit Migration im städtischen Raum und in der Architektur befasst. „Nun wollen wir das Thema stärker von einer europäischen Seite angehen als bisher“, sagt Faisst.

Facharbeiter, Flüchtlinge und Grenzgänger

In jedem der drei Partnerländer wird ein Workshop abgehalten: Der erste fand diesen Sommer in Bergen statt, in den kommenden zwei Sommern folgen Wien und Liechtenstein. Aus den spezifischen Herausforderungen der jeweiligen Regionen haben sich unterschiedliche Schwerpunkte für die Workshops ergeben. „Die verschiedenen Blickwinkel machen das Projekt so spannend“, findet Rhomberg. Während der Fokus in Norwegen auf den dringend benötigten Fachkräften in der Ölindustrie liegt, stehen in Wien die Auswirkungen der Flüchtlingskrise im Zentrum. In Liechtenstein liegt das Hauptaugenmerk auf den Folgen des täglichen Zustroms an Grenzgängern. Eines haben alle Workshops gemein: Sie wollen Ansätze für eine bessere Integration im öffentlichen Raum finden. Die Ergebnisse aus den Workshops sollen 2019 im Rahmen einer Ausstellung präsentiert werden, auch eine Publikation ist geplant. In Norwegen ist es bereits gelungen, Kontakte zu lokalen Stakeholdern herzustellen.

Eine permanent temporäre Bevölkerung

Der erste Workshop widmete sich der stark von der Erdölindustrie geprägten Region rund um Bergen, insbesondere dem Ort Ågotnes, der von der Reparatur von Ölplattformen lebt. „Eine der spannendsten Erkenntnisse war, dass Ågotnes eine permanent temporäre Bevölkerung hat. Die Gemeinde wächst und schrumpft mit den Fachkräften in der Ölindustrie, teilweise kommen mehr als tausend Personen ins Dorf“, erklärt Rhomberg. Ein Phänomen, das auch Liechtenstein nicht fremd ist – allerdings in einem anderen Rhythmus. „Liechtenstein wächst jeden Morgen um fast doppelt so viele Menschen, wie es Einwohner hat, am Ende des Tages schrumpft es wieder. Das ist eine ziemliche Herausforderung“, so Rhomberg. Sie zeigt sich zuversichtlich: „Durch Mobilität werden immer wieder Innovationen generiert. Das ist eine grosse Chance.“

 

Dieser Artikel ist zuerst im Wissensmagazin der Universität Liechtenstein „Denkraum“ erschienen.

Bild: Autobahn bei Nacht (real-napster/pixabay/Creative Commons)

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