Online zur Arzt-Diagnose

Von Susanne Quaderer

Seit Oktober 2017 ist die Plattform onlinedoctor.ch aktiv. Sie bietet eine Sprechstunde für 55 Franken über das Internet an. Innerhalb von 48 Stunden erhält der Patient seine Handlungsempfehlung.

Tobias Wolf, Paul Scheidegger und Philipp S. F. Wustrow (v. l.) wollen mit dem Tool die Dermatologen entlasten. (Foto: Wirtschaft Regional)

Per Mausklick geht es zur Hautarzt-Diagnose: Ist der Leberfleck harmlos oder könnte es doch Hautkrebs sein? Keine zwei monatige Wartezeit, sondern eine Antwort des Arztes innerhalb von 48 Stunden. Das verspricht die Plattform onlinedoctor.ch. Gegründet wurde sie vom Dermatologen Paul Scheidegger und den beiden Wirtschaftsspezialisten Tobias Wolf und Philipp S. F. Wustrow.

Wolf ist gebürtig aus Buchs (SG). Er lernte Paul Scheidegger im August 2016 an einer Veranstaltung an der Universität St. Gallen (HSG) kennen. Bereits damals hatte Hautarzt Scheidegger das Bedürfnis der Patienten nach einer schnellen Diagnose für Hautkrankheiten erkannt. Denn er hatte täglich in seiner Praxis mit Patienten zu tun, die lange auf den Termin gewartet hatten und bei denen es sich letztlich „nur“ um Bagatellfälle handelte. So entwickelten die drei gemeinsam die Idee einer Sprechstunde übers Internet. Im Dezember 2016 wurde die Firma gegründet. Im Oktober 2017 ging die Webseite schliesslich online. Knapp sechs Monate sind seit diesem Zeitpunkt vergangen. „Bis anhin sind bei uns bereits über 1000 Fälle eingegangen“, erklärt Wolf. Bei den meisten Anfragen handelte es sich um Hautausschläge, genauere Angaben könne Wolf aus Datenschutzgründen aber nicht machen. Das Hauptklientel der Webseite sind Mütter mit Babys, Angehörige älterer Personen oder auch Pflegefachpersonal in einem Altersheim oder der Spitex. Diese Organisationen arbeiten in der Schweiz bereits mit onlinedoctor.ch zusammen. Liechtensteiner Organisationen sind noch nicht beigetreten. Das Hauptziel der Plattform sei es, den Dermatologen zu entlasten und ihm damit ein Hilfsmittel zu geben, um die medizinische Qualität zu verbessern. Über 80 Prozent der Hautprobleme können mit der Plattform analysiert werden, denn bei Hautproblemen benötigt es in den seltensten Fällen Blut- oder Speichelproben.

Wöchentlich Anfragen von Ärzten

Die Kosten einer Anfrage belaufen sich immer auf 55 Franken, egal wie schlimm das Problem ist. Eine Anfrage startet mit der Wahl des Dermatologen. Dabei kann der Patient zwischen über 40 Hautärzten aus dem deutschsprachigen Raum der Schweiz auswählen. Auch eine Hautärztin aus Buchs (SG) findet sich auf der Liste. „Jeden Arzt haben wir persönlich in seiner Praxis besucht, ihr oder ihm die Plattform erklärt und sie geschult“, sagt der Mitbegründer. Mittlerweile erhalten die Gründer wöchentlich Anfragen von Dermatologen aus der ganzen Schweiz, die sich gerne am Projekt beteiligen würden.

Ist die Wahl des Arztes gefallen, startet der Online-Fragebogen. Aufgebaut ist das Tool wie ein Whatsapp-Chat. Start. Eine Sprechblase erscheint: Welche Beschwerden verursacht das Hautproblem? Viele kleine Blasen erscheinen, darin stehen Beschwerden wie Juckreiz, Rötung, Schmerzen. Eine Blase muss angeklickt werden. Danach fordert das Tool den Patienten auf, das Problem genauer zu beschreiben. Später folgen dann die Standardfragen eines jeden Dermatologen: Wo tritt das Hautproblem auf? Wie lange besteht es schon? Wurden bereits Medikamente dagegen eingesetzt? Das Clevere an der Plattform: Je nach gegebener Antwort erscheinen andere Fragen. Am Ende der Befragung fordert der „OnlineDoctor“ den Patienten auf, drei Fotos des Problems zu schicken. Das Wichtigste dabei: Die Bildqualität muss gut sein.

Der endgültige Report ist immer gleich aufgebaut: Vier Seiten mit den Angaben des Patienten, der Rückmeldung sowie der Handlungsempfehlung des Arztes. „Diese enthält entweder eine Empfehlung für ein bestimmtes Medikament, eine Aufforderung zu einem Praxisbesuch oder die Rückmeldung, dass das Problem völlig harmlos ist“, erklärt Wolf. Rezepte für verschreibungspflichtige Medikamente können die Ärzte via onlinedoctor.ch nicht ausstellen. „Das ist aus rechtlichen Gründen nicht gestattet. Meint der Dermatologe, dass ein solches Medikament notwen dig ist, muss der Patient die Praxis aufsuchen und das Problem dem Arzt vor Ort zeigen“, führt der Mitgründer auf. Diesen Umstand wollen die Gründer der Plattform ändern und sind bereits auf der Suche nach Partnerschaften, um dem Patienten, der ein verschreibungspflichtiges Medikament benötigt, den Gang zum Doktor zu ersparen.

Die sogenannte Telemedizin ist nichts Neues. Bereits seit 20 Jahren gibt es die ärztliche Versorgung via Internet oder sonstiger technischer Mittel. Das Spezielle an onlinedoctor.ch ist, dass die Plattform den Arzt und seine Praxisniederlassung in den Vordergrund stellt. „Bei uns wissen die Patienten immer, wer die Anfrage bearbeitet“, führt Wolf aus. Von den 55 Franken Anfragekosten erhält der behandelnde Doktor einen Grossteil.

Initialkosten noch nicht amortisiert

Trotz der erfreulichen Anfrage-Zahlen rentiert sich das Geschäft bislang noch nicht. «Bis wir unsere Initialkosten amortisiert haben, dauert es sicher noch eine Zeit lang“, erklärt Wolf. Das Unternehmen befände sich momentan in der Wachstumsphase, sprich das ganze Kapital, das sie einnehmen, wird in die Expansion des Geschäfts gesteckt. Bis Ende 2018 bleibt der Fokus auf der Schweiz, mit der Ausweitung in alle Sprachregionen. Auch zwei bis drei Mitarbeiter sollen angestellt werden. Zudem arbeitet das Team laufend an der Qualität der Plattform. „Zusätzliche Tools wie eine automatisierte Bilderkennungssoftware, eine Art künstliche Intelligenz, wird gerade getestet“, erklärt der Buchser. Mithilfe der Software sollen die Bilder auf der Plattform gespeichert werden und bei Anfragen die Handlungsempfehlung des Arztes stützen, ähnlich eines Präzedenzfalls in der Gerichtspraxis. Wolf betont aber immer wieder den Datenschutz, welcher bei onlinedoctor.ch hochgehalten wird. Alle Daten werden mittels einer Zwei-Faktoren-Authentifizierung, eines SMS-Codes verschlüsselt, so wie man es vom e-banking kennt.

In Zukunft können sich die Gründer vorstellen, das Produkt auch im Ausland zu vertreiben. „Aus Deutschland, Österreich und England haben wir bereits Anfragen von Partnerfirmen und Ärzten erhalten“, so Wolf. Auch eine Ausrichtung auf weitere Fachbereiche wie die Zahnmedizin werde überprüft.

Ersten Platz abgeräumt

Ein Highlight für das Unternehmen ist der Finaleinzug beim Jungunternehmerpreis „Startfeld Diamant“ der St. Galler Kantonalbank. „Wir haben uns sehr darüber gefreut – die Nomination hat uns gezeigt, dass wir vieles richtig gemacht haben“, sagt Wolf. Damit gerechnet hätten sie nicht, aber sie seien selbstbewusst in den Wettbewerb gestartet. Der Preis ist mit 30 000 Franken dotiert. Auch beim nationalen Wettbewerb „Best of swiss web award 2018“ schafften es die Gründer mit der Webseite ins Finale und haben sich in einer Kategorie gegen über 300 Bewerber durchgesetzt und den ersten Platz geholt.

 

Der Text ist zuerst in der Wochenzeitung „Wirtschaft regional“ erschienen.

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