Start-up ermöglicht Zahnkorrekturen zum Tiefpreis

Von Stephan Agnolazza

Ein Vaduzer Start-up bietet Zahnkorrekturen zum Tiefpreis. Dank neuer Vertriebswege und der geplanten vollautomatisierten Herstellung könnte bald ganz Europa mit sogenannten Aligners beliefert werden. Das Start-up ist dazu auf gutem Weg.

Gründungsmitglieder Christoph Appert und Brice Kounga. (Bild: Daniel Schwendener)

Ein schönes Lächeln kann verzaubern. Doch wer ein perfektes Lächeln haben will, bezahlt dafür oft einen hohen Preis, denn nur selten kommen Menschen mit einer Zahnstellung auf die Welt, die der ästhetischen Idealvorstellung entspricht. Deshalb werden in den meisten Fällen mit Zahnspangen die Zähne so in Position gebracht, dass alle in Reih und Glied stehen. Ein teurer Spass. Ein Vaduzer Start-up verspricht seit kurzem das perfekte Lächeln zum Komplettpreis: Für 2000 bis 3500 Franken und in einer Behandlungszeit von drei bis sechs Monaten zum perfekten Gebiss. Ist das wirklich möglich?

„Ja“, erklärt Christoph Appert. Der promovierte Biochemiker ist einer der Gründer sowie CEO von ForYouFirst. Zusammen mit zwei Kollegen, einem Zahnarzt und einem promovierten Physiker, gründete er vor einem halben Jahr das Start-up, mit dem sie die überteuerte Zahnkorrektur mit Aligner ins Visier nehmen wollen. Aligner sind dünne, durchsichtige Kunststoffschienen, mit welchen man Zahnfehlstellungen korrigieren kann. Dies geschieht dadurch, dass die Zähne durch einen leichten Druck in die gewünschte Position gebracht werden. Alle zwei Wochen wechselt man die Schiene aus, um Fortschritte zu erzielen. Sie werden während der Behandlungszeit - ausser zum Essen – ständig getragen. Dank ihrer Transparenz sind sie vom Gegenüber während des Tragens nicht zu erkennen. „Die Aligner-Methode gibt es schon seit längerem“, erklärt Appert. „Wegen eines Patentes war die Methode bis zum letzten Sommer einer amerikanischen Firma vorbehalten. Sie bestimmte die Preise und die Zahnärzte verdienten anständig mit.“ Für den Kunden bedeutete das Investitionen von 8000 bis 10.000 Franken. ForYouFirst will das Gleiche für rund ein Drittel anbieten. Sie verspricht Komplettpreise von 1990 bis maximal 3490 Franken, abhängig von der Komplexität der Zahnfehlstellung. Damit wollen sie vor allem kostenbewusste Erwachsene ansprechen, die mit ihrer Zahnstellung unzufrieden sind.

Neue Vertriebswege

Dazu übernehmen seine Kollegen und er die Methode, doch sie änderten die Vertriebswege. Statt über Zahnärzte will ForYouFirst die Aligners selber produzieren und direkt vertreiben. Dadurch liesse sich viel Geld sparen. „Alles beginnt, indem man bei uns online oder per Telefon einen Termin bucht“, erklärt Appert. Dann geht es zum Zahnscan und zur Beratung durch den Zahnarzt von ForYouFirst. Dies ist derzeit erst in Zürich oder Lausanne möglich. Zuerst prüft der Zahnarzt, ob eine Aligner-Behandlung überhaupt möglich ist. Appert: „Vieles können wir heutzutage bereits richten, doch bei schweren Fehlbildungen oder komplexen Fällen stösst die Methode an ihre Grenzen. Unser Zahnarzt erklärt vor Ort, weshalb eine Behandlung nicht möglich ist und klärt über Alternativen auf.“ In den meisten Fällen sei eine Behandlung aber möglich. „Gemäss Schätzungen lassen sich etwa 60 Prozent der Fälle weltweit mit der Aligner-Methode behandeln“, so der Fachmann. Nach dem Check des Zahnarztes werden die Zähne gescannt. Ein Vorgang, der ein komplettes 3D-Modell des Gebisses möglich macht. Anhand dessen wird zusammen mit dem Kunden der ganze Vorgang besprochen.

Wenige Tage später erhält der Kunde den Behandlungsplan auf dem das Endresultat, Dauer und die Kosten der Behandlung klar ersichtlich sind. „Bis zu diesem Zeitpunkt ist für den Kunden alles gratis und unverbindlich“, so Appert.

Entscheidet sich der Kunde für eine Behandlung, laufen in Vaduz die Produktionsmaschinen los, wobei dieser Begriff (noch) unangebracht ist. Derzeit gibt es noch kaum Maschinen im Hauptsitz. Die umfunktionierten Geschäftsräume sind ein Start-up-Büro, wie es im Buche steht: Improvisierte Arbeitsflächen, eine rudimentäre Ausstattung, dafür ein rundum begeistertes Team. An der Maschine steht Brice Kounga, promovierter Physiker, und spannt Kunststofffolien über ein 3D-Modell eines Gebisses. Die Herstellung der Aligner ist noch mit viel Handarbeit verbunden. „In einem Start-up muss halt jeder alles machen, dazu gehören auch solche Aufgaben“, lacht Kounga. Die 3D-Modelle der Gebisse werden derzeit noch extern produziert. „Wir haben momentan die nötige Menge für die Anschaffung eines eigenen 3D-Druckers schlicht noch nicht“, erklärt Appert.

Anschliessend werden die Verpackungen der Aligner beschriftet, verpackt und anschliessend verschickt. Der Kunde erhält so alle nötigen Aligner zur gleichen Zeit, damit er gleich mit der Behandlung beginnen kann. „Zwischen dem Besuch im Scancenter bis zum Beginn der Therapie liegen im Schnitt zwei Wochen. Dank unserer Kleinheit können wir relativ schnell und flexibel produzieren“, so Appert.

Grosse Pläne

Es sei ein Massengeschäft, dass sie betreiben wollen, erklärt Appert. Deshalb will das Start-up noch in diesem Jahr kräftig wachsen und die Märkte Deutschland und Österreich ins Visier nehmen. Bis 2019 will das Unternehmen dann in bereits zehn bis zwölf Ländern präsent sein. Ausserdem planen die Gründer die vollautomatische Produktion, schliesslich stösst die Handfertigung ab einer gewissen Menge an ihre Grenzen. Mehr will Appert dazu noch nicht verraten. „Wir bleiben aber auf jeden Fall in Liechtenstein.“ Von hier aus will das Start-up die Welt erobern. Die Schweiz gilt für das Start-up vor allem als Testmarkt: Hier werden die Vertriebswege getestet, Verpackungen ausprobiert, Abläufe und Prozesse optimiert.

Keine Konkurrenz – oder?

Potenzial hat das Geschäftsmodell vom jungen liechtensteinischen Start-up allemal: Allein der Marktführer hat bereits über 10 Millionen Kunden mit Alignern beliefert, den Grossteil davon in den USA und Kanada. „In Europa ist die Methode – auch wegen bis jetzt hoher Preisen – relativ unbekannt“, so Appert. „Wir rechnen uns deshalb gute Chancen aus – auch wenn wir nicht die einzigen sind, die jetzt in diesem Markt mitmischen wollen.“ Seine Preisgestaltung will ForYouFirst aber nicht als Angriff auf Zahnärzte verstehen. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu Zahnärzten“, erklärt CEO Appert. Dafür bewege man sich viel zu sehr in einer Nische. „Wir sehen uns nicht als Produkt für Zahnärzte, sondern mehr als Lifestyle-Produkt mit professionellem Anspruch. Dieses Gefühl wollen wir unseren Kunden auch mitgeben.“

Der Text ist zuerst in der Wochenzeitung „Wirtschaft regional“ erschienen.

Gründungsmitglieder Christoph Appert und Brice Kounga. (Bild: Daniel Schwendener)

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