Unternehmenskultur ist der Motor eines Unternehmens

Von Anna Birkenmeier

Kaum eine Führungskraft widerspricht heute der Einschätzung, dass die Kultur eines Unternehmens ein zentraler Faktor für seinen Erfolg ist. Unter Unternehmenskultur sind Werte, Ziele und Normen zusammengefasst, welche in einem Unternehmen gelebt werden.

Google gilt als Paradebeispiel für eine offene Unternehmenskultur. (Bild: Google)

„Eine starke Unternehmenskultur ist der Motor einer Firma. Sie reduziert in schwierigen und hektischen Zeiten die Komplexität, weil die gelebten Werte Orientierung bieten“, sagt Theresa Schmiedel, Assistenzprofessorin am Hilti Lehrstuhl für Business Process Management am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Liechtenstein. Fehlt eine positive Unternehmenskultur, so kann dies zu hohen Krankenständen und einer starken Fluktuation führen.  

Unternehmenskultur ist Führungsaufgabe

In der heutigen Geschäftswelt ist die bewusste Gestaltung der Unternehmenskultur deshalb zu einer zentralen Führungsaufgabe geworden. Zum einen, weil dadurch die Mitarbeitenden besser und länger gebunden werden können, zum anderen, weil es gilt, sich von der Konkurrenz auf eine positive Weise zu unterscheiden. Dabei spielen gelebte Werte laut Robert Mair vom Institut für Architektur und Raumentwicklung der Universität Liechtenstein, eine besonders zentrale Rolle: „Die Unternehmenskultur wird stark durch Sozialkompetenz geprägt.“ Dazu gehören Überzeugungen und Werte der Mitarbeitenden, aber auch die Art und Weise wie sie kooperieren, wie sie miteinander leben und wie sie zusammenarbeiten. Unternehmenskultur ist etwas, was man nicht greifen, aber spüren kann.

Methodenfreiheit und Eigenverantwortung

Durch einen respektvollen Umgang miteinander entsteht eine positive Arbeitsatmosphäre und damit ein Mehrwert für das Unternehmen. Eine intakte Unternehmenskultur gilt als Voraussetzung für profitables Wachstum eines Unternehmens. „Wer sich im Unternehmen wohlfühlt, Wertschätzung erlebt und ein positives Umfeld vorfindet, kann im Job mehr Leistung erbringen“, sagt Thomas Moll, Projektleiter für Wissens- und Technologietransferprojekte am KMU Zentrum der Universität Liechtenstein.

Dass ein funktionierendes Team stärker ist als ein Einzelkämpfer, liegt auf der Hand. Deshalb muss man den Mitarbeitenden Raum lassen für Ideen und den Austausch untereinander fördern. „Mit der Gestaltung einer anregenden Unternehmenskultur werden die Rahmenbedingungen geschaffen, um dieses Miteinander zu fördern“, erklärt Robert Mair. Dabei sei es zentral, dass man den Mitarbeitenden Freiheitsgrade einrichte, anstatt sie mit Kontrollmechanismen zu stark einzugrenzen. „Der Weg zum Ziel sollte von den Mitarbeitenden frei gewählt werden können. Methodenfreiheit und Eigenverantwortung sehe ich als wichtige Mittel, um höhere Ziele zu erreichen“, betont Mair.

Kultur wichtig für Erfolg

Grosse Unternehmen haben das erkannt. Als Paradebeispiel wird hier immer wieder Google genannt. Googles Erfolg basiert massgeblich auf der einzigartigen Unternehmenskultur. So hat das Unternehmen schon früh erkannt, dass es im Hinblick auf den Unternehmenserfolg wichtig ist, seinen Mitarbeitenden Raum für Innovationen zu lassen und sie nicht zu stark einzugrenzen. Dazu gehört auch die Gestaltung der Räume. Bei Google in Zürich ähneln die Räume mit ihren Rutschen und Lümmelecken eher Spiel- als Arbeitsplätzen und tragen zum informellen Austausch bei.

Thomas Moll unterscheidet denn auch zwischen Kultur und Unkultur: „Unkultur ist bei vielen mittleren und kleinen Unternehmen verbreitet, wo die Mitarbeitenden einfach als Leistungserbringer gesehen werden, die ihren Lohn erhalten.“ Grössere Unternehmen hingegen hätten schon lange erkannt, dass es wesentlich mehr brauche. „Gleichwohl besteht bei vielen Unternehmen Entwicklungspotenzial nach oben.“

Anspruchsvolle Führungsaufgabe

Die Unternehmenskultur zu prägen, ist denn eine der anspruchsvollsten Führungsaufgaben, die viel Zeit erfordert und bewusst angegangen werden muss. „Es reicht nicht, einen Workshop zu machen und ein paar nette Werte auf die Webseite zu schreiben, um die Kultur nachhaltig zu formen“, betont Schmiedel. Von 2012 bis 2014 hat Theresa Schmiedel an einem Forschungsprojekt des Hilti Lehrstuhls für Business Process Management der Universität Liechtenstein mitgearbeitet, das sich mit einem tieferen Verständnis für die Organisationskultur von Unternehmen beschäftigte. Ausgangspunkt für eine starke Unternehmenskultur ist, so Schmiedel, vielmehr eine Vision und das Entwickeln von Leitbildern. Obwohl hier grundsätzlich das Top-Management gefordert ist, sollte dies im Rahmen eines in der Organisation breit angelegten Prozesses erfolgen. Als weiterer Schritt muss dieses Leitbild gepflegt und weiterentwickelt werden. Wichtig ist dabei auch, die Unternehmenskultur als permanenten Managementbereich zu begreifen, der genauso viel Aufmerksamkeit erfordert wie andere Bereiche.

Gute Arbeitsatmosphäre bringt Ideen

Gleichzeitig beeinflusst auch die Arbeitsumgebung die Unternehmenskultur. „Die Architektur kann eine inspirierende Arbeitsatmosphäre ganz klar fördern. Als positives Beispiel ist hier das Unternehmen OMICRON  zu nennen“, so Moll.  Das Gebäude von OMICRON Vorarlberg besticht durch helle Tageslichtarchitektur mit grossen Fenstern, viel Holz und Blick in die Natur. Es wurden Begegnungs- und Kommunikationszonen geschaffen, gleichzeitig Rückzugsorte wie etwa eine Höhle aus Lehm. In solch einer Arbeitsatmosphäre können Ideen entstehen, es wird der ungezwungene Austausch untereinander gefördert. Informelle Orte sind für die Entwicklung der Kreativität wichtig.  

Gebäude zeigt Selbstbewusstsein

Zudem muss man sich auch mit der Wirkung nach aussen beschäftigen. Dahinter steht die Frage, wie man von Dritten wahrgenommen werden möchte. Auch hierbei spielt die Architektur eine tragende Rolle.  Ein Paradebeispiel ist das Gebäude der Baumeisterfirma L. Gasser & Co. AG in Oberhasli, das vom Architekturbüro Käferstein & Meister gebaut wurde. Der auf dem firmeneigenen Werkhof errichtete Neubau schafft mit seiner Betonarchitektur einen neuen Ort und gibt dem Unternehmen schon von Weitem einen markanten Auftritt. „Architektur kann ein Unternehmen darstellen und manifestieren, wohin das Unternehmen gehen möchte. Das neue Gebäude verkörpert ein Stück weit das Selbstbewusstsein des Unternehmens“, sagt dazu der Architekt Urs Meister. Das Gebäude fasst die bisher an verschiedenen Standorten gelegenen Büroräume zentral zusammen. Der Rohbau erzählt die Geschichte des Bauunternehmens, spielt mit seinen alltäglichen Materialien und bildet so die Unternehmenskultur auch aussen ab. Als zentrales Element für die Unternehmenskultur im Inneren nennt Urs Meister die geschaffenen  Begegnungszonen, welche die Mitarbeitenden zusammenbringen.

Mitarbeitende können über sich hinauswachsen

In Zukunft wird die Unternehmenskultur einen noch höheren Stellenwert haben, sind sich Moll, Mair und Schmiedel einig. Weshalb? „Weil wir geografisch immer ungebundener sind und dank top Ausbildungen die Möglichkeit haben, dahin zu gehen, wo wir Lust haben“, sagt Meister. Grosse globale Unternehmen machen es bereits vor, indem sie versuchen, die besten Leute über spannende Angebote anzuziehen. Dazu Thomas Moll:„Wir haben eine schnelllebige Zeit und Mitarbeiter sind einem immer grösseren Druck ausgesetzt. Inwiefern sie bereit sind, einen Extraweg zu gehen und viel Zeit in den Job zu investieren, hängt stark mit der Unternehmenskultur zusammen.“ Wenn die Unternehmenskultur nicht nur die Entlöhnung der Mitarbeitenden für ihre Leistung beinhaltet, sondern zusätzliche Aspekte wie Wertschätzung und Flexibilität bietet, dann wachsen die Mitarbeitenden über sich hinaus und sind auch bereit, Extraaufwand zu betreiben. „Wenn die Kultur stimmt, dann entwickelt sich ungeheures Potenzial. Mitarbeitende, die sich wohlfühlen im Unternehmen, sind wesentlich leistungsfähiger, weniger oft krank und tragen viel mehr zum Wohl des Unternehmens bei“, betont Mair.

Neues von unseren Partnern

22.09.2017 - Afterwork-Apéro mit Weitblick

Das «women in business»-Netzwerk der Universität Liechtenstein lädt am 3. Oktober zu einem Netzwerk-Apéro mit Inputreferaten zum Thema «Rollenbilder:...

20.09.2017 - Neue Richtlinie im Versicherungsrecht

Der Propter Homines Lehrstuhl für Bank- und Finanzmarktrecht der Universität Liechtenstein lädt am 3. Oktober zum 1. Liechtensteinischen...

18.09.2017 - Campus Gespräche 2017/18: Mehr Wert

Die Reihe Campus Gespräche an der Universität Liechtenstein geht in eine neue Runde: An vier Abenden sprechen externe Forschende und Fachleute zur...

15.09.2017 - 10. Liechtensteinischer Fondstag

Der Propter Homines Lehrstuhl für Bank- und Finanzmarktrecht der Universität Liechtenstein lädt am 26. September zum 10. Liechtensteinischen Fondstag...

14.09.2017 - Lunch & Learn zur Innovationsgenossenschaft

Das liechtensteinische Rechtssystem ist aus vielerlei Gründen einem starken Wandel unterworfen. Der Lehrstuhl für Gesellschafts-, Stiftungs- und...

Weitere Nachrichten von unseren Partnern
Mit unserem Partner Vaterland/Wirtschaftregional